Freitag, 20. September 2013

Warmes Wasser aus silbernen Rohren. Heißer Kaffee aus silbernen Kannen.


Der Coming-Of-Age-Roman ,,Die besseren Wälder“ erschien 2013 bei Betz und Gelberg. Der in Düsseldorf lebende Autor Martin Baltscheit ist auch im Bereich Theater, Film und Hörbuch aktiv. Mehrere seiner Werke erhielten bereits Auszeichnungen und Preise wie den Deutschen Jugendliteraturpreis, die Silberne Feder oder für seinen aktuellen Roman der Jugendtheaterpreis.

,,Höhlen mit Gängen bis zum Mittelpunkt der Erde‘‘
  ,, Überall ist Licht alles Leuchtet‘‘
,,Geburtstag feiern sie drei Tage.'‘
,,Warmes Wasser aus silbernen Rohren. Heißer Kaffee aus silbernen Kannen. Ungezählt sind die Schafe und die Wildschweine so fett, wir können und kaum satt essen daran. In den besseren Wäldern leben wir Wölfe wie Wölfe“.
Stell dir vor du bist ein dreijähriger Wolf, dessen Familie schon zu lange hungern muss. Würdest du dich in die besseren Wälder aufmachen? Die Eltern des kleinen Wolfs träumen von den Verheißungen der besseren Wälder. Dort wird es ihnen besser gehen. Dort werden sie genug zu essen haben. Dort lässt es sich leben. Doch nur ihr Sohn wird den Zaun überqueren, sie werden es nicht überleben, werden nie sehen was er sieht: Sein neues Zuhause.
Wanda und Frauke können keine Kinder bekommen, schon lange wünschen sie sich ein kleines Schäfchen. Als sie den jungen Wolf finden, einsam und verloren, nehmen sie ihn auf. Sie machen ein Schaf aus ihm, nennen ihn Ferdinand.
Als Ferdinand 17 Jahre alt wird, ist er beliebt, er ist der singende Star der Schafe. Auch Melanie ist fasziniert von ihm.  Mit ihr zusammen überquert er den Zaun, besucht das Rote Dorf. Am nächsten Tag findet er sich im Gefängnis wieder. Er soll Melanie Weißherz getötet haben. Und Ferdinand, der Star der Schafe, soll in Wirklichkeit ein Wolf sein.

Der Roman von Baltscheit ist kein durchschnittliches Buch mit fortlaufenden Seiten, gefüllt mit Unmengen von Buchstaben, sondern er spielt mit Bild und Schrift. In oft bunten Farben findet der Leser Zeichnungen der Landschaft, Personen und Szenen. Auch die Schrift passt sich der Geschichte an: Die Größe kann variieren, ebenso wie ihre Farbe. Der Autor lässt nicht nur die schwarzen Lettern seine Geschichte  erzählen, sondern das komplette Werk.
Die Idee der Geschichte spricht mich an. Ein Wolf, der seine wahre Herkunft nicht kennt, sie schließlich doch akzeptieren muss, aber dennoch gefangen ist zwischen seinen Identitäten. Es ist durchaus möglich den Sachverhalt der Geschichte auf uns Menschen zu übertragen. Wir müssen uns nur die Reaktion vorstellen, wenn jemand nicht der ist der er zu sein vorgab. Es ist dann egal, ob er davon wusste oder nicht, man begegnet ihm im guten Falle nur mit Skepsis. Die Person hat sich nicht verändert, sie ist die selbe mit der man noch am Tag vorher geredet hat, doch nun ist sie für einen ein komplett anderer Mensch. Allerdings bringen die Reaktionen, die Abneigung der Menschen gegenüber dem einen, sowie das eigene Nachdenken über sich selbst möglicherweise eine neue Person hervor.
Ferdinand geht es eben so. Er fragt sich, wer er ist und noch viel wichtiger, wo er hingehört. Er ist gefangen zwischen zwei verfeindeten Welten: Die zu der seine Art gehört und jene, die ihn aufgezogen hat. Er kann kein Schaf mehr sein und ein richtiger Wolf ist er auch nicht.
Jano und Mascha, führen ihn in die Welt der Wölfe ein. Für Mascha empfindet er schließlich mehr als er anfangs geglaubt hätte. Ihr eigentlicher Freund Jano nimmt ihn mit zu der Insel der Wölfe, welche planen die besseren Wälder zu überfallen und dazu benötigen sie seine Hilfe.
Dort leben immer noch Wanda und Frauke, seine „Eltern‘‘. Zwei herzensgute Schafe, die immer sehr stolz auf ihren Ferdinand waren und nicht daran glauben, dass er Melanie hätte  umbringen können.
Melanie selbst war seine erste Liebe. Jünger als er, aber wagemutig. Sie träumte von der großen Welt und dem Ausbrechen aus den gewohnten Konventionen. Feigheit war keine Tugend für sie, im Gegenteil zu dem Rest der Schafe.
Baltscheit hat einfach eine geniale Figurenkonstellation erschaffen, welche dem Roman eine besondere Note verleiht. Er hat an alles gedacht um dieses Werk mehr als lesenswert zu machen.


Kurz gesagt: ,,Die besseren Wälder“ sollte jeder gelesen haben, es ist ein tolles Werk, dass zum Nachdenken anregt. 

Donnerstag, 15. September 2011

Junkgirl



Der Jugendroman ,,Junkgirl” erschien 2011 bei Beltz und Gelberg. Die aus Würzburg stammende Autorin Anna Kuschnarowa verfasste bereits Werke wie ,,Spielverderber” und ,,Schattensommer”.


Die Familie Johansson könnte man als Vorzeigefamilie bezeichnen. Die meisten der Kinder haben sich bereits ihr eigenes Leben aufgebaut, sie gehen jeden Sonntag in die Kirche, ernähren sich ausschließlich gesund, achten auf Benehmen, Normen und ihren Ruf. Die einzige die bei ihrem Lebensstil aus der Reihe fällt ist Alissa.

Alissa ist die jüngste der Geschwister und das schwarze Schaf der Familie. Sie hat sich schon immer viel lieber mit Jungs getroffen als mit den eingebildeten, langweiligen Mädchen aus ihrer Gemeinde zu spielen. Doch trotz der Tatsache, dass ihr die Lebensform ihrer Familie immer mehr zuwider wird, weiß sie nicht, wie sie aus ihr ausbrechen kann. Dies ändert sich als eine neue Schülerin an ihre Schule kommt: Tara.

Tara verkörpert auf den ersten Blick als dass was Alissas Eltern missbilligen würden. Sie kleidet sich aufsehenerregend, lässt sich nichts gefallen und scheint aus einer anderen Welt zu kommen. Durch Tara lernt Alissa ein Leben kennen, mit welchen sie vorher nie in Kontakt gekommen ist. Doch dieses bringt nicht nur die guten Seiten mit sich, wie Freiheit, Liebe und Selbstbestimmung. Denn bald findet sich Alissa in einem Strudel aus Partys, Drogen und der bedrückenden Realität wieder. Was wird geschehen, wenn es irgendwann nicht mehr so leicht ist in den bittersüßen Sog der drogenvollgepumpten Höhenflüge zu entkommen?


Der Schreibstill von Anna Kuschnarowa hat mich sogleich in seinen Bann gezogen. Sie versteht es Textstellen eine gewisse Eindringlichkeit zu vermitteln indem sie immer wieder kurze Satzfragmente verwendet. Manchmal in der Art wie man selber denken würde, wodurch ich mich in größerem Masse angesprochen gefühlt habe. Desweitern bringt sie hin und wieder englische Floskeln ein, wie sie die Jugend von heute gerne in ihrem Sprachgebrauch verwendet. Dieses Mittel baut für junge Erwachsene eine Art sprachlichen Wiedererkennungswert auf.

Die Gestaltung des Textes ist interessant und irgendwie auch fesselnd. Wir haben keine Kapitelunterteilung, dafür aber zwei verschiedene, durch die Schriftart gekennzeichnete Erzählzeiten.
Zum absoluten Großteil dreht sich das Werk um Alissas Leben kurz vor ihrer ersten Begegnung mit Tara bis hin zum Ende der Zeit, welche sie mit ihr verbrachte. Die zweite Erzählzeit ist die momentane Gegenwart. Sie wird in Unterhaltungen, Zwiegesprächen und Gedanken von und zwischen Alissa und Alice dargestellt, welche sich jedes Mal auf die vorher vorgestellten Textabschnitte aus Alissas Vergangenheit beziehen. Alice ist die Person, die die Drogen aus unserer Hauptperson gemacht haben.

Die Geschichte an sich ist fesselnd, regt zum Nachdenken an und rüttelt, wie viele solcher Werke an den Gitterstäben der Vorstellungen von einem über Menschen, welche ebenso ein Leben da draußen führen könnten und wie man ihnen begegnet, wenn man sie auf der Straße sieht. Man kennt die Geschichte der Personen nicht, weiß nicht wie sie dazu kamen, was sie dazu bewegt hat und doch urteilt man so oft viel zu schnell über sie. Sicherlich ist der Konsum von Drogen und das möglich dazuführende Leben nichts, dass man sich wünscht, etwas das einen befremdet, mit dem man nicht unbedingt etwas zu tun haben möchte. Doch die Menschen an sich, sind genauso Menschen, wie jeder andere. Gerade, da derlei Werke einen dazu animieren über solche Dinge nachzudenken, welche meist nicht zu unserem eigenen Alltag gehören und doch etwas Alltägliches sind, lese ich sie gerne. Ich kann nur sagen, dass Anna Kuschnarowas Werk außerordentlich gut gelungen und wirklich lesenswert ist.

Die Figuren der Geschichte bestehen aus ganz verschiednen Charakteren aus unterschiedlichen “gesellschaftlichen Welten”, was dem Ganzen noch einen zusätzlichen authentischeren Touch verleiht.

 Unsere Hauptperson Alissa kommt aus einer wohlhabenden Familie, welche sie in einem Käfig aus Vorschriften, Regeln und Normen festhält. Durch Tara, in welche sie sich verliebt, wird sie schließlich zur ,,Drug-Princess” und lebt ein wildes drogenerfülltes Leben, ohne an das Morgen zu denken.

Die 18-jährige Tara hat ihre Eltern bei einem Autounfall verloren und lebt bei ihrer Oma. Sie ist bekannt als die ,,Queen of Shore” und versucht zu Beginn noch Alissa von ihrer Welt fern zu halten. Sie fällt durch ihren Stil und ihre selbstsichere Haltung sofort auf, hat aber auch eine sensible Seite.

Leander war früher einmal mit Tara zusammen, bevor sie sich zu ihrer Liebe zu Frauen bekannte und liebt sie immer noch. Er ist der einzige wahre Freund, der an Taras und Alissas Seite bleibt. Er nimmt zwar selbst Drogen, doch schafft er es noch so zu wirken, als hätte er alles irgendwie im Griff. Er ist die größte Stützte für die beiden jungen Frauen.

Es gibt noch viele andere Figuren, die das Gesamtbild der Geschichte vervollständigen und sie zu dem machen, was sie geworden ist.


Kurz gesagt: Ich kann den Jugendroman ,,Junkgirl” jeden ans Herz legen, der einmal tiefer in diese Welt aus trügerischem Schein und der harten Wirklichkeit eintauchen will. Für Jugendliche ab etwa 15 und aufwärts ist dies eine interessante, aufrüttelnde Lektüre!

Wie Marshmallows mit Seidenglitzer- Die zweite Kollektion



Der Jugendroman ,,Wie Marshmallows mit Seidenglitzer- Die zweite Kollektion” erschien 2011 bei Chicken House. Das Werk ist Sophia Bennetts Nachfolger von ,,Wie Zuckerwatte mit Silberfäden- Die erste Kollektion”.


Endlich ist es soweit Krähes erste Kaufhauskollektion steht bevor, in dem angesagten Miss-Teen Kaufhaus in London. Durch Fleiß und Anstrengung hat sich das ehemalige ugandische Flüchtlingskind einen Namen gemacht und wird in Designerkreisen immer bekannter. Doch ohne ihre drei besten Freundinnen wäre sie nie so weit gekommen: Nonie, Jenny und Edie.

Währen andere junge Menschen in ihrem Alter zuhause sitzen und sich über Hausaufgaben beschweren, welche ja viel zu viel Arbeit darstellen, kreieren die vier ganze Kollektionen, besuchen Modeschauen, proben für große Theateraufführungen oder starten Campagnen, welche unsere Welt verbessern sollen und bewältigen nebenher noch die typischen Teenagerprobleme.

Trotz all dem Stress würden sie ihren Alltag nicht eintauschen wollen. Doch dann werden sie mit Vorwürfen aus ungeahnter Richtung konfrontiert: Die Kollektion von Krähe soll von armen Straßenkindern aus Mumbai hergestellt worden sein. Um dem Ganzen auf den Grund zu gehen reisen die jungen Talente nach Indien um sich mit eigenen Augen von den Verhältnissen in den Fabriken zu überzeugen. Was erwartet sie dort in der Fremde und vor allem werden die Vorwürfe Halt finden?


Die Autorin Sophia Bennett schafft durch ihren Schreibstil und ihre Figuren eine sympathische Atmosphäre, die einen zum Weiterlesen anspornt. Sie versteht es wirklich den Leser schnell von ihrem Werk zu überzeugen. Durch die Zusammenstellung der vier Hauptpersonen entsteht ein gewisser Flair, welcher mich sogleich ansprach. Da haben wir zum einen Krähe, ein junges Mädchen im Teenageralter, welche einst als Flüchtlingskind zusammen mit ihren Bruder aus Uganda herkam. Sie entdeckte früh ihre Leidenschaft zum Design und wird bereits von bekannten Persönlichkeiten und Unternehmen gebucht. Sie hat immer diese Seite, die einen an ein Reh mit großen Kulleraugen erinnert. Wenn es zu viel Trubel gibt, versteckt es sich bei seiner Mutter, wo es sich sicher fühlt und sich keinen Kopf mehr macht über eventuelle Sorgen. In Krähes Fall ist dies ihr großer Bruder Henry.

Nonie, aus dessen Sicht das Buch verfasst wurde, ist die Managerin ihrer Freundin und ein Organisationstalent. In hektischen Situationen fühlt sie sich zuhause. Sie zieht sich gerne ausgefallen an, verrückte Kombinationen sind bei ihr Alltag, wobei diese nicht negativ auffallen, sondern durch ihre Originalität bestechen.

Jenny liebt das Theater. Sie hat einmal eine Nebenrolle in einem Kinofilm gehabt, bei welcher sie allerdings versagt hat. Bei einem neuen Stück dieses Mal auf den Londoner Brettern kommt sie allmählich wieder aus sich raus und gewinnt ihr Selbstvertrauen in diesem Gebiet wieder.

Edie ist die einzige im Bunde, welche nicht immer modisch gekleidet ist. Sie engagiert sich für viele soziale Gebiete und würde ohne ihren PC verloren sein. Durch ihre Website erhält nicht nur sie Unterstützung bei ihren Campagnen sondern verhilft auch Krähe zu noch größerer Bekanntheit.

Diese Auswahl der Hauptfiguren sagt mir sehr zu. Auch die anderen Charaktere haben alle ihren Charme und verleihen dem Werk seinen Reiz.

Die Geschichte an sich ist genau der richtige Lesestoff für eine schöne Sommernacht. Bennett gelingt es die herkömmlichen Probleme der vier Mädchen wie Liebe, Nervosität vor dem großen Auftritt und Prüfungen perfekt mit dem zum Teil stressigen Leben als aufsteigende Designer und Team zu verbinden.

Durch das Einbringen von möglicher Kinderarbeit verlieht sie dem Roman zudem etwas Tiefe, da sich zeigt, dass die vier nicht nur in einer glamourös teueren Welt leben sondern auf dem Boden der Realität geblieben sind und sich mit solchen Problemen genau so beschäftigen.


Kurz gesagt: Ich kann Sophia Bennetts Jugendroman jeden ans Herz legen, der nach einer sympathischen Geschichte mit Charme sucht!

Montag, 29. August 2011

Die Komplizin



Der Jugendroman ,,Die Komplizin” von Eireann Corrigan erschien 2011 bei Chicken House, einem Carlsen-Verlag.
In dem kleinen Ort Colt River passiert nie etwas. Keine Einbrüche, keine Gewalttaten oder Überfälle. Höchstens einmal ein großer Bär zu nah am Waldrand vor dem man sich in Acht nehmen sollte. Nun stellt sich die Frage, wie man von einem so kleinen, naturnahen Gebiet aus berühmt werden könnte!? Chloe und Finnley, haben eine Lösung gefunden: Chloe verschwindet spurlos für mehrere Tage, ohne sich danach an etwas zu erinnern und Finn entdeckt ihre beste Freundin als strahlende Heldin. Dieser Plan wäre für die beiden das Freilos erst zur Berühmtheit und dann zu all den Dingen, die man durch eben diese leichter erreicht. So zum Beispiel die Annahme an einer Wunschuni.
Chloe und Finn setzten ihre Idee nach sorgfältiger Planung in die Tat um, doch das Leben lässt sich nun mal nicht bis ins kleinste Detail planen. Als Dean, ein liebenswürdiger, netter Junge, von der Polizei als Mordverdächtiger festgenommen wird, will Finn nicht mehr weiter lügen. Sie will diesem aus der Kontrolle geratenen Einfall ein Ende setzten. Sie kann es nicht ertragen einfach Deans ganzes weiteres Leben zu zerstören, doch da hat sie ihre Rechnung ohne Chloe gemacht. Wird Finn stark genug sein um mit der Wahrheit herausrücken? Oder wird sie weiter mitspielen und es auf das Risiko enttarnt zu werden ankommen lassen?
Ich muss sagen, dass die Idee der Geschichte von Eireann Corrigan mir zusagt. Zwei Mädchen, die aus einem kleinen, unbekannten Ort aus, ihre Fahrkarte in die große Welt da draußen suchen und dabei nicht an all das Unheil denken, dass sie anrichten könnten. Mir gefällt auch wie Finn, welche jahrlang mit Chloe durch dick und dünn gegangen ist, während der Durchführung ihres gemeinsamen Plans, langsam immer klarer wird, wie sehr sich ihre beste Freundin verändert hat.
Die Umsetzung der Geschichte empfinde ich allerdings leider als misslungen. Die Einleitung des Buches ist eigentlich gut geworden, der Hauptteil ist viel zu lang und der Schluss zu kurz. Meiner Meinung nach hätte man die Gewichtung der einzelnen Teile anders darstellen sollen. Der Hauptteil beschreibt ausschließlich die acht Tage, in welchen Chloe sozusagen verschwunden ist und was um Finn herum geschieht. Manchmal bringt die Autorin auch Geschichten, welche die beiden Freundinnen von früher noch verbinden mit ein. Dieses Faktum wiederum ist ein interessantes Mittel, welches ich als ansprechend empfand. Doch im Allgemeinen ist der Hauptaugenmerk hier auf die falschen Ereignisse gelegt worden. Die Geschehnisse zum Ende des Hauptteil und der Schlussteil wären für mich, die jenigen gewesen aus welchen man eine fesselnde, interessante Geschichte hätte machen können, wenn man sie weiter ausgebaut hätte. Gerade, was nach dem Ende des Buches passiert wäre, wie es weitergegangen wäre, hätte mich äußerst interessiert!
Zum Schreibstil muss ich sagen, dass er durchaus lesenswert ist. Die Autorin schafft es allerdings nicht die nötige Spannung für eine derartige Geschichte aufzubauen. Mir fehlt dieses besondere Etwas.
Die Figuren in ,,Die Komplizin” sprechen mich hingegen an. Vor allem die beiden Hauptfiguren und Dean, aber auch all die anderen sind ansprechend beschrieben und ergänzen sich.
Chloe, das Mädchen, das aus der Stadt aufs Land zog, damit ihr kranker Bruder Cam etwas mehr Ruhe und Ordnung genießen kann. Sie hat sich vom Außenseiter zum Schulschwarm gewandelt und badet gerne in der Bewunderung, der ihr zuteil wird. Doch sie hat auch eine andere Seite, welcher man im Laufe des Buches immer mehr auf die Schliche kommt. Sie ist berechnet, denkt nur an sich und würde sehr weit gehen um ihre Ziele zu erreichen, weiter als die meisten anderen.
Finn ist ein nettes, aber unscheinbares Mädchen, der man im Umgang mit Tieren nichts vormachen kann und Chloes beste Freundin. Sie realisiert nicht, dass sie sich geradezu an ihre Freundin klammert und immerzu versucht ihr zu gefallen. Finn ist eigentlich ein herzensguter Mensch, welche die ganze Sache sehr mitnimmt.
Dean hat Probleme mit dem Sprechen, weswegen er auch ,,Der Stotterer” genannt wird. Er ist in Chloe verliebt und ein freundlicher, liebenswürdiger junger Mensch, der niemanden etwas zu Leide tun würde.
Kurz gesagt: Das Werk ,,Die Komplizin” würde ich jemanden, der nach Spannung und verflochtenen Begebenheiten, in welche sich die Charaktere verstricken sucht, nicht empfehlen. Wer jedoch nach einer leichten Geschichte, welche nicht viele Fragen aufwirft Ausschau hält, ist hier an der richtigen Adresse.

Montag, 22. August 2011

Rose und das Geheimnis des Alchemisten





 
Rose lebt als Waise im St. Bridget’s im London des 19. Jahrhunderts. Das einzige, was sie von ihrem früheren Leben weiß ist, dass sie in einem Fischerkorb verlassen auf einem Kirchhof aufgewunden wurde. Die meisten Waisen träumen davon eines Tages von ihren Eltern abgeholt zu werden, doch nicht Rose. Sie wünscht sich einfach nur bald auf eigenen Beinen stehen zu können, in dem sie durch Hausarbeiten ihr Geld verdient und so ihr Leben selbst gestalten kann. Im Waisenhaus St. Bridget’s wird sie durch strenge Regeln und Arbeit auf ihr späteres Leben vorbereitet.

Doch nie hätte Rose gedacht, dass sie das Waisenhaus schon so bald verlassen würde. Sie bekommt eine Anstellung als Dienstmädchen bei einem bedeutenden Alchemisten und Mitglied des Hofes seiner Majestät. Rose arbeitet hart, doch bei ihrer Arbeit merkt sie, dass sie Dinge wahrnimmt, welche den anderen verborgen bleiben. Sie ist hin und her gerissen zwischen Faszination und Angst. Rose weiß, dass sie Dinge kann, die nicht “normal” sind. Aber sie will nichts von der Magie in ihr wissen, doch diese ist ein Teil von ihr und tritt immer wieder zu Tage. Als sie ihre Kräfte nicht mehr verleugnen kann, versucht sie diese zu ignorieren.

Man hört immer wieder von verschwundenen Kindern, doch erst als ihre beste Freundin verschwindet, erkennt Rose den wirklichen Ernst der Lage. Sie überwindet die Angst vor ihrer Magie und die Furcht vor den Konsequenzen und versucht zusammen mit dem Zauberlehrling ihres Dienstherrn, sowie dessen Tochter und Gus, einem magischen Katzer, dem Geheimnis der verschwundenen Kinder auf den Grund zu gehen…


Holly Webbs Schreibstil hat mich mitgerissen, sie beschreibt alles sehr genau, sodass man sich ein präzises Bild von der Handlung machen kann. Ebenso von den Schauplätzen und den Charakteren.

 Jeder Charakter hat seinen eigenen besonderen Zug. Rose beispielsweise hat mich durch ihre unschuldige und liebenswürdige Art sogleich für sie eingenommen. Gustavus, ein magischer Kater, frischt durch seine hilfsbereite, lustige und auch kluge Art die Geschichte noch zusätzlich auf. Oder Isabella, welche eine ausgemachte Intrigantin ist und ihrer Gouvernante wie auch sonst allen das Leben schwer macht. Es ist einfach alles dabei.

Die Handlung an sich, hat meinen Geschmack ebenso getroffen. Der innere Konflikt von Rose zieht sich durch das komplette Buch und ich konnte die einzelnen Etappen genau mitverfolgen. Ähnlich wie die Begebenheiten, welche die Charaktere immer näher an das Geheimnis der verschwundenen Kinder heranführt. Auch die Tatsache, dass mich einiges zum Lachen brachte hat mich erfreut.

Ich fand es unter anderem interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Charaktere mit Magie umgehen. Einige der Angestellten wollen nichts mit ihr zu tun haben, fürchten sich vor ihr, obwohl sie täglich in einem Haus eines hohen Alchemisten arbeiten. Dann gibt es zum Beispiel Freddie, welcher Sohn eines Alchemisten ist, sich bei Rose´ Dienstherren ausbilden lässt und somit völlig normal mit Magie umgeht. Oder Rose, welche sich zwischen beiden Reaktionen hin und her bewegt.

Als ich mir das Cover, nachdem ich das Buch gelesen hatte, noch einmal anschaute, empfand ich es als äußerst passend. Die dargestellte Person ist Rose, sie trägt eine für Dienstmädchen typische Schürze, zugleich hält sie einen Besen in Händen. Dieser Besen war für mich eine Assoziation für die beiden Seiten in Rose. Einmal ist ein Besen natürlich zum Saubermachen da, was Rose Anstellung als Dienstmädchen entspricht. Doch andererseits verbinden wir auch Besen mit Hexen. In dieser Geschichte gibt es zwar keine Magier, die mit Besen fliegen, doch musste ich trotzdem daran denken.

Zum anderen haben mir auch die pflanzenartigen Verzierungen zu Beginn jedes Kapitels zugesagt.


Kurz: Ich kann ,,Rose und das Geheimnis des Alchemisten” nur weiter empfehlen. Ich finde das Buch hat seine Reize sowohl für Klein als auch für Groß.
Zudem bin ich gespannt auf eine Fortsetzung, da das Ende der Geschichte darauf hoffen lässt!

Im Zauber der Sirenen



Die 17-jährige Vanessa bewundert ihre ein Jahr ältere Schwester Justine sehr. Justine strahlt für Vanessa all die Dinge aus, die ihr zu fehlen scheinen: Selbstbewusstsein, Waghalsigkeit, Stärke und einfach ihre fröhliche Art, welche sie bei allen beliebt macht.

Dafür beneidet Vanessa sie auf einer Seite, doch gleichzeitig liebt sie sie auch wegen ihrer unverbesserlichen Art. Justine ist ihre Stütze, ihre Beschützerin, wann immer sie sich fürchtet.

Um so schlimmer ist es für Vanessa als sie die Nachricht von Justins Selbstmord bekommt. Sie soll bei Nacht und den heftigsten Stürmen von den Chione Cliffs gesprungen sein. Jenen Klippen, welche die Schwestern mit den Carmichaelbrüdern jeden Sommer heimlich besucht haben.

Als Vanessa herausfindet, dass ihre Schwester im Herbst nicht nach Dartmouth gegangen wäre, wie sie es jeden glauben lassen hat und in der Nacht vor ihrem Tod noch mal im Haus gewesen war, macht sie sich auf den Weg. Sie begibt sich auf die Suche nach der Person, welche Justin als einziges wirklich gekannt zu haben scheint: Caleb Carmichael.

Als sie jedoch bei ihrer Ankunft erfährt, dass Caleb verschwunden ist, rückt die Suche von ihm in den Vordergrund. Zusammen mit Simon Carmichael versucht sie den Vorkommnissen im Winter Harbor auf den Grund zu gehen. Denn die Todesopfer häufen sich. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind allesamt männlich und ihr Gesicht zu einem Grinsen verzehrt.

Steht Caleb das selbe bevor? Hat das alles mit Justins Tod zu tun? Vanessa und Simon kommen den Geheimnis immer näher, doch werden sie rechtzeitig das ganze Ausmaß erkennen? Werden sie Winter Harbor vor den Wesen schützen können die den Ort heimsuchen?


Tricia Rayburns Geschichte hat mich überwältigt. Nach zwei, drei Kapiteln wollte ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen. Die Geschichte und die Erzählweise Rayburns hat mich gefangen genommen.

Rayburn gibt einem immer mehr Rätsel auf, immer neue Informationen, die irgendwie ins Cluster passen müssen. Aber trotz diesen vielen Puzzelteilen, schafft sie es auf irgendeine Weise, dass man nie den Überblick verliert.

Ihre Erzählart würde ich als spannend bezeichnen, doch zugleich auch gefühlvoll. Ein Gemisch aus beiden. Mich hat sie sehr angesprochen, ich kam sehr leicht mit und war bald ganz in die Geschichte eingetaucht.

Auch für Überraschungen wurdee immer wieder gesorgt. Manchmal in einer Richtung, in welcher ich ganz und gar nichts in Frage gestellt hätte. Rayburn weiß einfach, wie man den Leser zum weiterlesen bewegt.

Die Geschichte an sich, hat mir auch sehr zugesagt. Ein Gemisch aus Fantasy und Realität, dass in der Geschichte nicht übertrieben oder aufgesetzt wirkt. Die Elemente fügen sich perfekt in die Begebenheit mit ein. Vor allem, da diese hier schon immer ein Teil des Lebens der Hauptpersonen waren ohne, dass sie es geahnt hätten.

Die Charaktere sagen mir auch zu. Vor allem, da es Rayburn schafft ihre Rollen in der Geschichte erst zum passenden Zeitpunkt zu enthüllen, so dass man immer mehr versteht, in welcher Verbindungen die ganzen zueinander Personen stehen oder standen.


Kurz: ,,Im Zauber der Sirenen” kann ich nur weiterempfehlen. Jeder, der Fantasy mit einer Portion Mystery und Liebe mag, hat hier seinen perfekten Roman gefunden!

Die Buchdruckerin



,,Die Buchdruckerin” von Sabine Weiss ist 2010 beim Marion von Schröderverlag erschienen, einem der Ullsteinverlage. Sie verfasste bereits Romane wie ,,Die Wachsmalerin“ und ,,Das Kabinett der Wachsmalerin”.
 
Margarethe wird in eine Familie von Buchdruckern im 16. Jahrhundert geboren. Ihr Vater Hans Prüß ist ein bedeutender Straßburger Drucker, welcher Margarethe in seine Arbeiten miteinbindet. Als er stirbt muss sie ihr Können unter Beweis stellen, doch nicht jeder ist ihr wohl gesonnen. Vor allem, da noch die Zeiten der Zunft herrschen, in welcher Frauen nichts zu suchen haben.

Straßburg ist für seine Toleranz bekannt und stellt sich offen gegen die Ausführung des Wormser Edikts und somit auch gegen den Kaiser und den Papst. Straßburg ist weit bekannt für seine Wahrung der Freiheit, doch die Zeiten ändern sich. Auch für Margarethe und ihre Familie. In Zeiten der Reformation kann man nie sicher sein, welche Buchdrucke nicht doch plötzlich verteufelt und verboten werden. Aber Margarethe möchte, dass die Menschen von guten Werken erfahren, dass sie sich selbst eine Meinung bilden können. Dies birgt jedoch viele Gefahren und auch Gegner. Oft muss sie ihre Druckerei von neuem verteidigen. Wird Margarethe es schaffen ihre Liebe, ihr Leben und ihre Druckerei zu beschützen?


Da mich die Zeit um die Reformation interessiert, war ich sogleich auf dieses Buch gespannt. Ich fand es beeindruckend einmal etwas über diese Zeit in einer anderen Gegend zu lesen, als direkt im Zentrum. Zu sehen, welche Auswirkungen der neue Glaube an anderen Orten hatte.

Da dies ein historischer Roman ist, habe ich auch vieles über Straßburg selbst und das Handwerk der Drucker gelernt.

Die Charaktere in ,,Die Buchdruckerin” haben sehr viele Typen von Menschen geboten. Margarethe selbst, die immer wieder um ihr Glück kämpfen muss, wird zu einer starken Frau, die weiß was sie will.
Ihre Männer haben unterschiedliche Charakterzüge. Sie gerät an Ehemänner die sie liebt, doch auch an solche, bei welchen sie erst später den Fehler dieser Verbindung erkennt.

Da dieses Buch das ganze Leben und das Schicksal von Margarethe Beck darstellt, gibt es unzählige wichtige Personen. Doch Sabine Weiss schafft es, dass man den Überblick nicht verliert. Auch wenn man manchmal mitdenken muss um sich zu entsinnen, welche Funktion jemand noch mal hatte.

Der Schreibstil gefällt mit meist sehr gut. Manchmal finde ich, dass die Autorin etwas nicht genau genug beschreibt. Aber dies liegt wohl auch daran das der Fokus auf den geschichtlichen Geschehnissen liegt.
Zu erwähnen wäre auch die wunderschöne Karte am Beginn und Ende des Romans. Sie zeigt Straßburg zu der Zeit der Reformation. Ich persönlich fand es sehr reizvoll diese Karte zu studieren.

Eines, das mir persönlich nicht gefallen hat, ist dass am Ende mancher Kapitel oder Abschnitte, wenn es gerade danach aussah, dass alles sich zum Guten gewendet hätte, ein Satz kam, der darauf hinwies, dass es nicht so bleibe werde. Sicherlich, hin und wieder ist dies ein gutes Mittel um den Leser anzuspornen, das ,,warum” dieser Andeutung herauszufinden, aber für mich wird dieses Mittel zu oft verwendet. Ich sehe es als schön an, wenn eine Art Happy End auch einmal als ein solches bestehen bleibt ohne Tipp auf zukünftige Schicksalsschläge.

Margarethes Leben finde ich sehr ansprechend dargestellt, durch ihre Funktion als Druckerin, bekommt sie sehr viel von den wichtigen Geschehnissen zu dieser Zeit mit.


Kurz: Ich finde, dass dieses Werk für alle geschichtlich Interessierten ein sehr guter Tipp ist. Auch für jeden, den das Schicksal einer Frau im 16. Jahrhundert interessiert. Es wäre jedoch von Vorteil etwas Vorwissen zu den Begebenheiten um Luther, Karlstadt und die Folgen ihres Wirkens zu haben.